
Friedemann Lipphardt nach der erfolgreichen Verteidigung seiner Dissertation MPI-INF/Bertram Somieski
Am 18. Dezember verteidigte Friedemann Lipphardt erfolgreich seine Dissertation mit dem Titel "Auf dem Weg zu einem besseren Verständnis bislang wenig untersuchter Facetten der Internetzensur" . Er war seit Juni 2020 als Doktorand am Max-Planck-Institut für Informatik und der Universität des Saarlandes. Seine Doktorarbeit wurde von Prof. Dr. Anja Feldmann, Direktorin der Abteilung "Internet Architecture" betreut. Der Doktorgrad wird von der Universität des Saarlandes verliehen.
Abstrakt seiner Dissertationsschrift:
Das Internet hat den Zugang zu Informationen und deren Kontrolle grundlegend verändert und ermöglicht zugleich freie Meinungsäußerung wie auch immer feinere Formen von Zensur und Moderation. Diese Dissertation untersucht zwei zentrale Formen der Informationskontrolle: netzwerkbasierte Internetzensur und Inhaltsmoderation in großen Sprachmodellen (LLMs). Sie zeigt, dass Sicherheitsfilter von LLMs nicht einheitlich arbeiten, sondern stark vom Standort und von der Sprache der Nutzer abhängen. In einer Analyse von 15 LLMs aus 12 globalen Perspektiven in 13 Sprachen treten Moderationsunterschiede von bis zu 60 % sowie deutliche Verhaltensunterschiede zwischen chinesischen und westlichen Modellen zutage, insbesondere bei politischer und religiöser Kommunikation. Dies wirft Fragen nach ungleichem und intransparentem Informationszugang auf.
Neben LLMs untersucht die Arbeit die gezielte Sperrung von Sprachkommunikationsdiensten in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten und identifiziert Middlebox-Systeme, die VoIP-Anrufe selektiv blockieren, während andere Funktionen von Anwendungen über Protokoll-Fingerprinting und gezielte Eingriffe erhalten bleiben. Um solche Praktiken im großen Maßstab zu analysieren, werden über 36 Millionen monatliche Zensurmessungen in einen Knowledge-Graph integriert, der Ereignisse mit Netzwerkinfrastruktur und geopolitischem Kontext verknüpft. Insgesamt zeigt die Dissertation, dass moderne Informationskontrolle über mehrere technische Ebenen mit wachsender Präzision, aber begrenzter Transparenz agiert – mit weitreichenden Folgen für digitale Rechte, Fairness und die Gestaltung gerechterer Informationssysteme.