Forschung zu Fairness in Verteilungsproblemen
Dr. Hannaneh Akrami wurde als eine von nur zwei Wissenschaftlerinnen der Chemisch-Physikalisch-Technischen Sektion in das Minerva-Fast-Track-Programm der Max-Planck-Gesellschaft aufgenommen. Sie erhält nun eine Förderung über vier Jahre mit dem Ziel, sich im Anschluss für eine themenoffene Max-Planck Forschungsgruppe zu bewerben. Hannaneh Akrami ist Forscherin in der Abteilung „Algorithms and Complexity“ am Max-Planck-Institut (MPI) für Informatik in Saarbrücken und arbeitet dort im Bereich der algorithmischen Spieltheorie.
Im Rahmen ihres Minerva Fast Track Fellowships wird sie sich vor allem mit der Frage beschäftigen, wie unteilbare Güter fair zwischen verschiedenen Agenten verteilt werden können. Dieses Thema gehört zu den grundlegenden Problemen der Algorithmik und hat potenziell vielfältige Anwendungen in der Praxis, da sowohl die Ressourcen als auch die Agenten, zwischen denen sie verteilt werden, beliebige Formen annehmen können.
Beispiele sind etwa die faire Verteilung von medizinischen Gütern zwischen Staaten, die Vergabe von Rechenleistung an Universitäten, oder aber die Aufteilung der Hausarbeit in Familien. Ziel ist es ein Verfahren zu finden um Entscheidungen zu treffen, die von allen als gerecht empfunden werden, selbst dann, wenn die Ressourcen nicht beliebig teilbar sind und die Interessen der Beteiligten auseinandergehen.
Ein offenes Problem, mit dem sie sich beschäftigen wird, ist das Konzept der sogenannten „Envy-free up to any item (EFX)“-Aufteilung. Die Idee der „Neidfreiheit“ bedeutet, dass alle Beteiligten mit ihrer Zuteilung zufrieden sind und niemand das Paket eines anderen bevorzugt. Eine vollständige Neidfreiheit ist bei unteilbaren Ressourcen jedoch oft unmöglich: Wenn es nur ein begehrtes Gut gibt, etwa ein teures Auto, kann es nicht so verteilt werden, dass alle Agenten zufrieden sind. Daher wurden abgeschwächte Formen der Neidfreiheit entwickelt, für die Forschende nach algorithmischen Lösungen suchen. Bei EFX geht es darum, ob es eine Aufteilung gibt, bei der der Neid eines Agenten verschwindet, sobald man einen beliebigen Gegenstand aus dem Besitz der anderen entfernt. Eine allgemeine Methode, solche EFX-Aufteilungen immer zu finden, ist bislang ein ungelöstes Problem.
Hannaneh Akrami promovierte im Dezember 2024 an der Universität des Saarlandes und am Max-Planck-Institut für Informatik zum Thema „Share-Based and Envy-Based Approaches to Fair Division of Indivisible Goods“. Seit Januar 2025 ist sie Postdoc am „Hertz Chair for Algorithms and Optimization“ der Universität Bonn und forscht im Rahmen des Minerva Fast Track Fellowships weiterhin am MPI für Informatik. Mentor des Fellowships ist der Gründungsdirektor des Instituts, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Kurt Mehlhorn.
Das Minerva Fast Track Programm der Max-Planck-Gesellschaft gibt hervorragenden Wissenschaftlerinnen nach der Doktorarbeit die Chance einer langfristigen Karriereplanung. Unmittelbar im Anschluss an die Dissertation oder nach dem ersten Postdoc erhalten sie eine Förderung für maximal vier Jahre mit dem Ziel, sich im Anschluss für eine themenoffene Max-Planck-Forschungsgruppe zu bewerben. Eingeführt wurde das Programm 2014 zunächst nur in der Chemisch-Physikalisch-Technischen Sektion, 2017 folgte die Geistes-, Sozial- und Humanwissenschaftliche und 2023 die Biologisch-Medizinische Sektion. Die Auswahl der Minerva Fast Track Fellows erfolgt wettbewerblich in einem mehrstufigen Prozess. Ausschlaggebend sind sowohl die wissenschaftliche Qualifikation als auch das Potenzial für die Leitung einer Forschungsgruppe.
Weitere Informationen:
https://www.mpg.de/22001785/minerva-fast-track
Redaktion:
Philipp Zapf-Schramm
Max-Planck-Institut für Informatik
Tel: +49 681 9325 4509
E-Mail: pzs@mpi-inf.mpg.de
