Internationaler Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft

Drei Wissenschaftlerinnen am MPI für Informatik teilen ihre Perspektiven.

Seit 2015 findet jährlich am 11. Februar der internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft statt. Ausgerufen von der Generalversammlung der Vereinten Nationen feiert der Aktionstag die Beiträge von Frauen in der Wissenschaft. Gleichzeitig soll er ein Bewusstsein dafür schaffen, dass wissenschaftlicher Fortschritt und Geschlechtergerechtigkeit gemeinsam gedacht werden müssen, um den Herausforderungen der heutigen Zeit zu begegnen. Anlässlich dieses Tages stellen wir drei Forscherinnen unseres Instituts vor.

Ada Görgün: Gleichberechtigung stärkt die Wissenschaft zum Wohle aller

Informatik war zunächst nicht auf dem Radar von Ada Görgün. Sie interessierte sich früh vor allem für Mathematik und Physik, weshalb sie zunächst einen Bachelor in Elektrotechnik an der Technischen Universität des Nahen Ostens in Ankara begann. Ihr Interesse für die Informatik wurde entfacht, als sie während ihres Bachelorstudiums mit Deep Learning und Computer Vision in Kontakt kam. „Zum ersten mal habe ich gesehen, wie Programmieren Mathematik zum Leben erwecken kann, und zwar durch Bilder. Dadurch wirkte alles viel intuitiver, und als ich merkte, dass ich gut darin war und die Arbeit mir Spaß machte, habe ich diesen Weg weiter verfolgt“, beschreibt sie ihren damaligen Aha-Moment.

Inzwischen forscht Ada Görgün seit 2024 als Doktorandin in der Abteilung „Computer Vision and Machine Learning“ am MPI für Informatik im Bereich erklärbare Künstliche Intelligenz. Sie arbeitet daran, moderne KI-Modelle, speziell zur Video- und Bildgeneration, verständlicher und kontrollierbarer zu machen. Ada Görgün will herausfinden, welche internen Entscheidungsprozesse zu einem Ergebnis führen und wie diese beeinflusst werden können,. Ihr Ziel ist es, die Lücke zwischen technischer Leistungsfähigkeit und Vertrauenswürdigkeit zu schließen.

Was sie an ihrer Arbeit besonders schätzt: mit der Informatik in einem Feld tätig zu sein, das sie ständig herausfordert und ihre Neugier immer wieder belohnt. Ein persönlicher Meilenstein war die Zulassung zur Promotion: „Ich erinnere mich ganz lebhaft an ein Gefühl der Klarheit, dass ich genau dort angekommen bin, wo ich hinwollte“, erinnert sie sich.

Für Ada Görgün ist auch klar: Frauen in der Wissenschaft sind nicht „nur“ eine Frage der Fairness. Die Präsenz von Frauen in der Wissenschaft ist entscheidend, damit wissenschaftlicher Fortschritt die Bedürfnisse und Perspektiven der gesamten Gesellschaft widerspiegelt. Deshalb ihr Rat an andere Nachwuchsforschende: Dranbleiben. „Wenn der Weg herausfordernd wirkt, sollte man sich daran erinnern, dass Schwierigkeiten ein Zeichen von Wachstum sind – nicht davon, dass man nicht dazugehört oder gescheitert ist.“

Hannaneh Akrami: Repräsentation wirkt tief verwurzelten Biases entgegen

Die Anfänge von Hannaneh Akramis Karriere in der Informatik sind einem glücklichen Zufall geschuldet. In der Schulzeit war sie begeisterte Mathematikerin und bereitete sich eigentlich auf die Prüfung der Mathematik-Olympiade vor, die bei Bestehen die Teilnahme an einer Sommerschule ermöglichte. Da sich die Aufgaben mit denen des Informatik-Pendants stark überschnitten, legte sie auch diese Prüfung ab. Am Ende bestand sie die Prüfung der Mathematik-Olympiade nicht—dafür aber die der Informatik, was den Startschuss ihrer Karriere markierte.

Anfangs verspürte sie durchaus Zweifel. So war sie bei der Informatik-Olympiade im Jahr 2013 unter 40 Teilnehmenden eine von nur zwei Frauen. „Ich habe mich da schon gefragt, ob ich hier überhaupt hingehöre. Aber 12 Jahre später weiß ich, dass ich das tue!“, erklärt sie.

Nach einem Bachelor in Computer Engineering an der Scharif-Universität für Technologie war Hannaneh Akrami von 2019 bis 2025 Doktorandin an der Universität des Saarlandes und in der Abteilung „Algorithms and Complexity“ am MPI für Informatik. Hier forscht sie, nachdem sie im November 2025 zusätzlich ins Minerva Fast Track Programm der Max-Planck-Gesellschaft aufgenommen wurde, an sogenannten „Fair-Division“-Problemen, also: Wie teilt man unteilbare Güter auf verschiedene Akteure auf, sodass sich niemand benachteiligt fühlt? Was Hannaneh Akrami an Ihrer Forschung liebt, ist das Tüfteln: Sie mag Rätsel, und theoretische Informatik ist im Grunde genommen für sie nichts anderes als Rätsel lösen.

Ein Moment, der ihr regelmäßig zeigt, dass sie den richtigen Weg für sich gefunden hat, sind wissenschaftliche Vorträge. „Nach einem erfolgreichen Vortrag habe ich immer ein gutes Gefühl. Es ist zutiefst erfüllend zu sehen, wie das Publikum eine neue Idee versteht und zu wissen, dass ich dazu beitragen konnte“, sagt sie.

Hannaneh Akrami betont: Frauen treiben den wissenschaftlichen Fortschritt voran – wie jeder Wissenschaftler. Aber sie bringen auch lange übersehene Perspektiven ein, und allein ihre Präsenz trägt dazu bei, verzerrte Vorstellungen von Geschlechterrollen auszugleichen. Deshalb ihr Rat an junge Wissenschaftlerinnen: „Dem, was man liebt, treu bleiben. Und wenn das Informatik ist, umso besser, denn hier wird euer Blickwinkel gebraucht.“

Hanna Komlós: Vielfalt stärkt Gemeinschaft und Zusammenarbeit

Hanna Komlós Weg in die Informatik war alles andere als geradlinig. Nach Bachelor und Master in Mathematik arbeitete sie zunächst einige Jahre in der Industrie. „Dann kam der Punkt, an dem ich merkte: Informatik ist die perfekte Kombination des abstrakten mathematischen Denkens, das ich so liebe, mit der Möglichkeit Probleme zu lösen, die einen ganz praktischen Nutzen haben“, sagt sie.

Daraufhin absolvierte sie einen weiteren Master in Informatik an der Rutgers University, promovierte an der New York University (NYU) und war danach für einen Forschungsaufenthalt am Simons Institute for the Theory of Computing.

Seit 2026 ist sie als Lise-Meitner-Postdoctoral Fellow in der Abteilung „Algorithms and Complexity“ am MPI für Informatik tätig. Ihre Forschung dreht sich hier um die Theorie von Datenstrukturen. Sie untersucht abstrakte Strukturen, die Daten speichern und organisieren, sowie die mathematischen Feinheiten, die ihnen zugrunde liegen. Ihr Ziel ist es, Algorithmen zu entwerfen, mit denen Computer Daten so effizient wie möglich finden und aktualisieren können und dabei interessante kombinatorische Fragestellungen lösen.

Was Sie besonders an der Informatik schätzt, ist die Community. „Anfangs hatte ich durchaus bedenken, als ‚Quereinsteigerin‘ in die Informatik zu kommen. Aber ich habe die Fach-Community als äußerst offen, unterstützend und kollaborativ kennengelernt“, sagt Hanna Komlos. Sie betont, wie wichtig ihr der Aspekt der Zusammenarbeit ist: „Jedes Mal, wenn ich mit Kolleginnen und Kollegen am Whiteboard stehe und wir ein schwieriges Problem diskutieren, bin ich glücklich. Das macht mir so außergewöhnlich viel Spaß, dass ich denke: Ich bin genau am richtigen Ort“

Sie ist überzeugt, dass Frauen in der Wissenschaft hervorragende Kooperationspartnerinnen sind, die andere Forschende unterstützen und bestärken – und die Wissenschaft damit besser die Welt widerspiegelt, in der wir leben. Ihr Rat an aufstrebende Wissenschaftlerinnen: den eigenen Weg konsequent weitergehen und sich nicht entmutigen lassen. „Du bist dorthin gekommen, wo du heute bist, obwohl die Chancen nicht immer zu deinen Gunsten standen. Und du wirst es wieder schaffen.“

Weitere Informationen:
Minerva Fast Track Programm: https://www.mpg.de/21667795/minerva-fast-track-programm
Lise Meitner Award Postdoctoral Fellowship: https://www.mpi-inf.mpg.de/career/job-openings/lise-meitner-award-fellowship
Internationaler Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft: https://www.un.org/en/observances/women-and-girls-in-science-day

Redaktion:
Philipp Zapf-Schramm
Max-Planck-Institut für Informatik
Tel: +49 681 9325 5409
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