Seyedali Rasaii erhält Doktorgrad (Dr-Ing.)

Am Mittwoch, 18. März 2026 verteidigte Seyedali Rasaii seine Dissertation mit dem Titel: „Verständnis der Auswirkungen von Banner-Interaktionen auf Nutzer-Verfolgung mittels Web-Cookies”. Von April 2021 bis Juni 2025 war er Doktorand der Informatik am Saarland Informatics Campus in Saarbrücken und am Max-Planck-Institut für Informatik unter der Betreuung von Prof. Anja Feldmann, Leiterin der Abteilung „Internet Architecture”. Der Doktorgrad wird von der Universität des Saarlandes verliehen.

Zusammenfassung der Dissertationsschrift:

Das Internet ist zu einem Grundpfeiler der modernen Gesellschaft geworden und hat grundlegend verändert, wie Menschen kommunizieren, Geschäfte tätigen und Informationen abrufen. Seine Konnektivität ermöglichte die Entstehung neuer Dienstleistungsformen in Gestalt von Online-Plattformen wie Messaging- und Shopping-Angeboten. Parallel dazu hat sich Werbung als dominantes Finanzierungsmodell dieser Plattformen etabliert. Infolgedessen setzen Werbeunternehmen Tracking-Technologien wie Cookies ein, um große Mengen an Daten – einschließlich personenbezogener Informationen (Personally Identifiable Information, PII) – zu erfassen und so personalisierte Inhalte sowie zielgerichtete Werbung bereitzustellen. Obwohl diese Praktiken sowohl das Nutzererlebnis als auch die Monetarisierung der Plattformen verbessern können, wirft die umfassende Sammlung, Speicherung und Analyse personenbezogener Daten im großen Maßstab erhebliche Fragen hinsichtlich informationeller Selbstbestimmung und Datenschutz auf.

Vor diesem Hintergrund haben Regierungen und Regulierungsbehörden rechtliche Rahmenwerke wie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eingeführt, um die Privatsphäre von Nutzerinnen und Nutzern zu schützen. Gemäß DSGVO muss jede Website oder jeder Dienst, der personenbezogene Daten von in der EU befindlichen Personen erhebt oder verarbeitet – definiert in Artikel 4 Absatz 1 als alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person beziehen („betroffene Person“) – vor der Datenerhebung eine informierte Einwilligung einholen. Als Reaktion auf diese Anforderungen sind Einwilligungsmechanismen wie Cookie-Banner entstanden, die über Datenerhebungspraktiken informieren und eine ausdrückliche Zustimmung zur Verarbeitung personenbezogener Daten einholen sollen.

In dieser Arbeit evaluieren wir Cookie-Banner aus verschiedenen Perspektiven im Lichte der Vorgaben und Zielsetzungen der DSGVO. Zunächst stellen wir BannerClick vor – ein Werkzeug, das mit einer Genauigkeit von nahezu 99 % mit Cookie-Bannern interagieren kann. Mithilfe von BannerClick analysieren wir die Web-Cookie-Landschaft unter unterschiedlichen Gesichtspunkten, darunter geografischer Standort, Gerätetyp und Interaktionsmodus mit dem Banner. Dadurch gewinnen wir ein umfassendes Verständnis darüber, wie diese Faktoren den Einsatz von Tracking-Cookies beeinflussen.

Darüber hinaus untersuchen wir den aufkommenden Trend sogenannter Cookie-Paywalls, bei denen Nutzerinnen und Nutzer zwischen der Zustimmung zu Tracking oder der Zahlung für eine werbefreie Nutzung wählen können, und bewerten deren Auswirkungen auf Datenschutz und Zugänglichkeit. Abschließend analysieren wir strukturelle Fehlanpassungen zwischen bestehenden Einwilligungsmechanismen und den regulatorischen Zielsetzungen. Dabei zeigen wir, wie scheinbar gegensätzliche Banner-Interaktionen das Verhalten nachfolgend besuchter Websites beeinflussen und unerwünschtes Cookie-Tracking über Sitzungen hinweg ausweiten können. Unsere Ergebnisse verdeutlichen erhebliche Diskrepanzen zwischen aktuellen Einwilligungspraktiken – vor allem in Form von Cookie-Bannern – und den Zielsetzungen des Datenschutzrechts. Sie unterstreichen die Notwendigkeit praxisnaher, nutzerzentrierter Lösungen zur effektiven Wahrung der Privatsphäre im Web.