Kurt Mehlhorn, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Informatik, feiert 70. Geburtstag

Auch diejenigen, die ihn kennen sind überrascht: Kurt Mehlhorn, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Informatik wird 70 - und wirkt so jung wie eh und je. Kurt Mehlhorn studierte von 1968 bis 1971 Mathematik und Informatik an der Technischen Universität München und promovierte 1974 an der Cornell University in Ithaca (New York) bei Robert Lee Constable mit dem  Thema „Polynomial and Abstract Subrecursive Classes“. Er ging anschließend an die Universität des Saarlandes und wurde hier 1975 mit 26 Jahren zum Professor ernannt. Im Jahr 1990 wurde er als Gründungsdirektor an das neu gegründete Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken berufen. Von 2002 bis 2008 war er Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft. Seit 2016 ist Kurt Mehlhorn Mitglied des Europäischen Forschungsrats (ERC).

Kurt Mehlhorns wissenschaftliches Werk beschäftigt sich vor allem mit Datenstrukturen, Graphentheorie, Algorithmen, Komplexitätstheorie und der Erstellung von Programmbibliotheken. Seine Lehrbücher „Data Structures and Algorithms“ (1984) und „Algorithms and Data Structures: The Basic Toolbox“ (2008 mit Peter Sanders) sind Standardwerke. Mit der engen Verzahnung von algorithmischer Grundlagenforschung und der Entwicklung leistungsfähiger Softwarebibliotheken ist Kurt Mehlhorn einer der Väter des Algorithm Engineering. Er gründete 1995 zusammen mit Stefan Näher und Christian Uhrig die Algorithmic Solutions Software GmbH, deren Softwarebibliothek LEDA (Library of Efficient Data Types and Algorithms) u.a. vom amerikanischen Unternehmen Celera bei der Sequenzierung des menschlichen Genoms eingesetzt wurde.

Kurt Mehlhorn hat maßgeblich zum Aufbau und Aufstieg der Saarbrücker Informatik beigetragen. Wichtige Stationen hierbei waren seine Sprechertätigkeit (1986-1988) im SFB 124, VLSI-Entwurfsmethoden (eine wichtige Keimzelle für die spätere Gründung des MPI für Informatik), die Gründung des Zentrums für Bioinformatik (das maßgeblich aus seiner Arbeitsgruppe heraus initiiert wurde) (2001), die Gründung des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme Saarbrücken/Kaiserslautern unter seiner MPG-Vizepräsidentschaft (2004) sowie die erfolgreichen Anträge in der Exzellenzinitiative für die Saarbrücker „Graduate School of Computer Science“ und den „Cluster of Excellence on Multimodal Computing and Interaction“ (2007), bei denen Kurt Mehlhorn eine zentrale Stellung innehatte. Im „Saarland Informatics Campus“ mit seiner einzigartigen Ansammlung von leistungsstarken Forschungsinstituten unter gleichzeitiger enger Verzahnung mit universitärer Informatikforschung spielt er durch seine ausgleichende Art eine wichtige Rolle.

Kurt Mehlhorn wurde für seine Leistungen zusammen mit Günther Hotz und Wolfgang Paul 1987 mit dem Leibnizpreis ausgezeichnet. Weitere wichtige Auszeichnungen sind der Karl Heinz Beckurts-Preis (1994), die Konrad-Zuse-Medaille (1995), seine Ernennung zum ACM Fellow (1998), der europäische EATCS-Award (2010), der amerikanische ACM Kanellakis Theory and Practice Award (2011), die Erasmus-Medaille (2015) sowie die Ernennung zum EATCS-Fellow (2016). Kurt Mehlhorn wurde von mehreren renommierten Universitäten die Ehrendoktorwürde verliehen (Magdeburg, Aarhus, Waterloo, Göteborg, Patras), und er ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Academia Europaea, und von Acatech. Außerdem ist er ausländisches Mitglied er US National Academy of Engineering sowie der US Academy of Science.

Kurt Mehlhorn hat mehr als 80 Promotionen und die gleiche Anzahl an Postdoktoranden betreut. Viele seiner Schülerinnen und Schüler wurden auf Professorenstellen berufen.

Er heiratete 1972 Ena Friedrichson und hat drei Kinder und vier Enkelkinder. Er ist begeisterter Fahrradfahrer und scheint nie im Stress.